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18 Uhr

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Eine neue Etappe

Zu den Wahlen des Studierendenparlaments

 

Wer die Krisis nicht fühlt, nicht mit eigenem Wesen daran teilhat, der lebt nicht. Wer sie zwar fühlt, aber sich rein konservativ dagegen verstockt und sich vergrämt ans Alte klammert, schließt sich gleichfalls vom Leben aus. Der Wahrheit ins Gesicht sehen zu können, dieser Mut ist die erste Bedingnis des Lebens; denn Wahrheit und Leben sind zu sehr ein und dasselbe, als daß ein Leben außerhalb der Wahrheit und gegen die Wahrheit überhaupt denkbar wäre.“

Thomas Mann, „Ansprache an die Jugend“, 1931

 

Erfreulich: Die Wahlbeteiligung ist zum zweiten Mal in Folge deutlich gestiegen und sieben neue politische Listen haben sich gegründet. Eine Tendenz zunehmender demokratischer Kultivierung der Verfassten Studierendenschaft wird erkennbar.

Dagegen ist der Trend sinkender Wahlbeteiligung, z.B. in Bremen bei nur noch 50%, vor allem auf einen großen Unmut über die Herrschenden und auf eine fehlende Perspektive zurückzuführen – viele reden von einer zivilisatorischen Krise.

Hochschulen und ihre Mitglieder haben große Verbesserungsverantwortung und -möglichkeiten diese „Krisis“ mit einer emanzipatorischen Perspektive zu beantworten.

Bildung und Wissenschaft in diesem Sinne bedeuten konkret: Sich aufrichten, den Blick weiten, andere als Gleiche mit gleichen Interessen erkennen und diese gemeinsam durchsetzen. Das sind Frieden weltweit, die Überwindung der Spaltung zwischen Arm und Reich und die kollektive demokratische Verfügung aller Menschen über alle Lebensbereiche.

Wahrheit und Leben“ einer solchen Entwicklung sind vernünftig und machen Mut.

Von der zivilen Wissenschaft mit kritischem Weltbezug über die Sozialisierung der Lebensbedingungen z.B. durch bedarfsadäquates BAföG und ein soziales Semesterticket bis zur Befreiung des Studiums z.B. von der unproduktiven Hetze des Ba-/Ma-Systems steht Einiges an.

Gemeinsame Aufgabe der Verfassten Studierendenschaft, des neu gewählten StuPa sowie des neu zu wählenden AStA ist, für diese Vorhaben die politische Meinungs- und Willensbildung zu befördern, zur Organisierung zu ermuntern und dies in tätige Bewegung umzusetzen.

Die Listen „Fesh“, „Die Liste“ und „AntifaListe“ konnten vor diesem Maßstab mit ihrer bisherigen AStA-Politik nicht überzeugen und haben insgesamt an Stimmen verloren.

Wie dagegen „Die HAW“ zusammen mit ihrer Schwester „Die Studis“ trotz fehlender inhaltlicher Kandidatur besonders in den Bereichen Flugzeugbau und Medizintechnik an Stimmen dazugewonnen haben, ist fraglich.

Stattdessen geht es um eine demokratische Weiterentwicklung und das direkte Schaffen menschenwürdiger Bedingungen – in der Hochschule, der Stadt und darüber hinaus. Darin können sich alle in die bereits begonnenen Auseinandersetzungen und ihre praktischen Folgen einmischen und diese erweitern.

Solidarität und Anteilnahme bewegen!

Die studentischen Vertreter im Hochschulsenat, AnneWinter und Eric Recke, laden ein:


Anläßlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 1945
und der Bücherverbrennung am 15. Mai 1933 in Hamburg zur


Lesung gegen Rechts
Nie wieder Bücherverbrennung


„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“
Heinrich Heine, Almansor, 1823


„Der Hochschulsenat begrüßt Veranstaltungen zum Gedenken an den 8. Mai 1945.“
Beschluss des Hochschulsenates der HAW Hamburg vom 23.04.2015


Die fortdauernde Zivilisationskrise hat großen Schaden angerichtet. Markt und Konkurrenz – bis zum Krieg – zerstören täglich Nahrung, Wohnungen und Kultur und engen demokratische Vorhaben und die Hoffnungen vieler Menschen auf ein besseres Leben ein. Die Ursachen sind erkenn- und änderbar: die soziale Spaltung, reaktionäre Menschenbilder und verrohte Kultur können für das Schaffen menschenwürdiger Verhältnisse umfassend überwunden werden. In diesem Sinne kritisch neue Perspektiven, Handlungsweisen und soziale Strukturen zu schaffen, hat stets Vordenker und Vorbilder. Wir erinnern deshalb:
Der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 1945 durch die Anti-Hitler-Koalition (Großbritannien, USA und UdSSR) gingen über 12 Jahre antifaschistischen Widerstandes u.a. durch unzählige literarische Werke voraus: Von Thomas Mann, der von den USA aus seine antifaschistischen Radiosendungen „Deutsche Hörer“ mit einem Flugzeug nach Großbritannien fliegen ließ, um sie von dort nach Nazi-Deutschland auszustrahlen und zum Sturz des Regimes aufrief. Über Bertolt Brecht, der in der weltweiten Schriftstellerschaft über die Großindustriellen, Militärs und Adligen aufklärte, die die Faschisten an die Macht gebracht hatten. Bis hin zu Kurt Tucholsky, der schon Jahre vor der Machtübertragung 1933 davor warnte, dass „sie“ sich für die „Reise ins Dritte Reich rüsten“.
Diese und andere aufrechten Menschen – und ihre Bücher –, die für die Vermenschlichung und Befreiung aller Menschen von Krieg und Unterdrückung lebten, waren den Faschisten ein Dorn im Auge. Vor diesem Hintergrund richtete sich gegen die Infragestellung von Diktatur und sozialer Spaltung die „reichsweit“ – in Hamburg am 15. Mai 1933 – organisierte Verbrennung von Büchern pazifistischer, republikanischer, kommunistischer und jüdischer Autorinnen und Autoren. Denn: Mystisch-rassistische Menschenbilder und opportunistischer Untertanengeist gedeihen nur im Dunkeln und ertragen das Licht aufgeklärter Geister nicht.
Für eine Welt der Gleichen, soziale Entwicklung und demokratische Verfügung aller sind Aufklärung und Emanzipation entscheidend. Mit Ausblick: „Und wenn jeder im Volke in den Stand gesetzt ist, sich alle beliebigen Kenntnisse zu erwerben, werdet ihr bald auch ein intelligentes Volk sehen.“ Heinrich Heine, „Bekenntnisse“, 1854
Deshalb: Nie wieder Bücherverbrennung.


13 – 15 Uhr, Freitag, 8. Mai 2015
Alexanderstraße 1 auf dem Hof.


Jeder hat die Möglichkeit aus verbrannten Büchern vorzulesen. Es werden einige vor Ort sein (z.B. Bertolt Brecht, Heinrich Heine, Heinrich und Thomas Mann, Karl Marx, Kurt Tucholsky) und alle können weitere Werke mitbringen und daraus vorlesen.

Zur gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaften –
Die Einheit von Frieden und Antifaschismus

 

„Gerade aus der Erfahrung des deutschen Faschismus und dessen Überwältigung der deutschen Universitäten sei die Konsequenz zu ziehen, Wissenschaft und Politik, Wissenschaft und gesellschaftliche Ansprüche strikt zu trennen. Was bei dieser Argumentation allerdings verloren ging (und was dann auch entsprechend gegen diese Argumentation eingewendet wurde), war Folgendes: Man kann diese Entwicklung genau umgekehrt sehen: gerade weil die Hochschulen der Weimarer Republik – formal – politisch so abstinent sich begaben, herrschte dort ein Konservatismus, in dessen Klima die Nazis an den Hochschulen vielfach leichtes Spiel hatten.“
Morus Markard, „Einführung in die Kritische Psychologie“, 2009

 

„Was immer man ihnen einreden will, die Völker wissen: Der Friede ist das A und O aller menschenfreundlichen Tätigkeiten, aller Produktion, aller Künste, einschließlich der Kunst zu leben.“
Bertolt Brecht, „Rede anläßlich der Verleihung des Lenin-Preises 'Für Frieden und Verständigung zwischen den Völkern'“, 1955

 

Die ab 1933 auch an den Hochschulen durchgeführte Gleichschaltung zur vollständigen Umstellung der Wissensproduktion auf Kriegswirtschaft und Rassenlehre, sollte das Dritte Reich auf die geplanten imperialistischen Raubkriege vorbereiten – materiell wie ideologisch. Professoren und Studenten (vor allem Burschenschafter) der konservativen Eliten des Wilhelminischen Reiches, die bereits für den Ersten Weltkrieg trommelten, haben diese Barbarei bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 fortgeführt und unterstützt. Nur durch das internationale Bündnis zwischen Antifaschisten und der Anti-Hitler-Koalition (Großbritannien, USA, UdSSR) konnte die Welt vom Faschismus befreit werden.
Lernend aus dieser Geschichte, mit dem Ziel „eine neue Welt des Friedens und der Freiheit“ aufzubauen (Schwur von Buchenwald), haben Antifaschisten nach ´45 im Grundgesetz die Freiheit von Wissenschaft und Forschung zusammen mit dem Friedens- und Sozialstaatsgebot festgeschrieben. Nie wieder sollten die Hochschulen und ihre Mitglieder für menschenfeindliche Zwecke arbeiten und stattdessen ihre ethische und humane Verantwortung in allen Wissenschaftsbereichen wahrnehmen.
Dagegen wurden – veranlaßt durch die Bundesregierung – im NATO-Bombenkrieg auf Jugoslawien 1999, in der Afghanistan-Invasion 2001, bei der Unterstützung der Kriege in Syrien, im Irak und in der Ukraine Wissen und Waffen genutzt, die u.a. an deutschen Hochschulen
entwickelt wurden. Die fortgesetzte Benutzung der Hochschulen sowie aller Menschen für Krieg und Zerstörung kann durch uns beendet werden. Die Mehrheit der Bevölkerung hier, in Europa und auf der ganzen Welt will keinen Krieg. Nur durch Lügen, Einschüchterung und soziale Bedrängnis geben sich überhaupt Menschen für Krieg und Völkerhass her.
In Griechenland z.B. ist es dem Linksbündnis „Syriza“ mit Anderen gelungen mit dem Wirken für eine weitreichende soziale Alternative die faschistische „Chrysi Avgi“ (goldene Morgenröte) von 9,3% bei den EUWahlen 2014 auf 6,3% zu drücken. Man sieht: Aufklärung und Ausblick
gefährden Unterdrückung und Mitläufertum.
Die Hochschulen als Orte gesellschaftlichen Richtungsstreites haben für einen solchen Ausblick eine große Bedeutung. Sie können vernunftgeleitet zum allgemeinen Wohl forschen, lehren und arbeiten oder als scheinbar neutrale Instanz mit dem kriegerischen status quo übereinstimmen. Ob sie in diesem Widerspruch erweitert für Frieden und Menschenfreundlichkeit wirken, hängt von Allen ab.
Um diesen hohen Maßstab für Wissenschafts- und Bildungsarbeit und die darin liegenden Potentiale zu verwirklichen, schaffen wir dafür die Bedingungen: Mit einer Zivilklausel in der Grundordnung, einem verantwortungsvollen Leitbild der Hochschule, einer kritischen Geschichtsaufarbeitung und einer lebendigen Diskussion in der Studierendenschaft wie unter allen Mitgliedern.
Gehen wir es an!

Weniger Entfremdung wagen oder
die demokratische Gruppenhochschule

 

„Erstmals gaben weniger als die Hälfte aller wahlberechtigten Sachsen ihre Stimme ab. […] Nicht wenige Politiker erklärten die Wahlmüdigkeit damit, dass die Sachsen zufrieden seien und wollten, dass alles bleibt, wie es ist. […] Tags zuvor haben sich die Koalitionsfraktionen aus CDU und SPD auf eine Erhöhung der Diäten geeinigt: Sie sollen jährlich per Index steigen und die monatliche steuerfreie Aufwandspauschale gleich um 1000 Euro erhöht werden. Wird das so beschlossen, wäre es das größte Einkommensplus in der Geschichte des sächsischen Landtags. […] Er habe das Gefühl, das Ganze sei nur eine inszenierte Veranstaltung, um das Volk ruhigzustellen, sagt ein Mann ins Mikrofon, und er bekommt dafür den meisten Beifall. Nach Stanislaw Tillichs [CDU] Schlussworten klatscht dagegen niemand.“
Stefan Locke, „25 Jahre nach DDR verlieren Sachsen Glauben an Staat“, „FAZ“, 21.03.2015

 

„Die Demokratie ist insofern verwirklicht, ist heute in dem Sinne eine innere Tatsache, als die Politik zu jedermanns Sache geworden ist und keiner sie verleugnen kann, weil sie mit einer Unmittelbarkeit, die frühere Zeiten nicht kannten, jedem auf den Nägeln brennt.“
Thomas Mann, „Spanien“, 1937

 

Auch an Sachsen wird deutlich: Die Mehrheit der Bevölkerung stellt den real existierenden Kapitalismus und die liberale Demokratie immer mehr in Frage. Dagegen versuchen einige Politiker die geringe Wahlbeteiligung mit angeblicher Zufriedenheit oder Konservatismus zu (verklären und sich währenddessen neben den Schmiergeldern aus der Unternehmensbranche höhere Diäten in die Taschen zu stecken. Um die Entfremdung zwischen den meisten Menschen und den politischen Entscheidungen und Entscheidungsträgern, die über ihre Lebensbedingungen entscheiden, zu überwinden, bedarf es eines kulturellen Wandels. Solidarität, Anteilnahme, höhere Löhne, öffentliche Daseinsvorsorge, soziale und kulturelle Teilhabe stehen an gegen „Schuldenbremse“, Privatisierung und Mißtrauenskultur erkämpft zu werden und „brennen jedem auf den Nägeln“. Sich für diese Alternative entscheiden zu können und sie gemeinsam zu verwirklichen, macht „jedermanns Sache“ konsequenzenreich und gilt auch für die Hochschulentwicklung.
In diesem Sinne wurde bereits 1968 bundesweit – maßgeblich mit aus Hamburg („Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren“) – die demokratische Gruppenhochschule gegen die elitäre Ordinarienuniversität erkämpft: Viertelparität aller Mitgliedergruppen auf allen Ebenen statt Professorenherrschaft und das politische Mandat der Verfassten Studierendenschaft statt hochschulpolitischer Beschränkung bildeten einige der bis dahin höchsten Errungenschaften demokratischer Beteiligung aller Hochschulmitglieder.
Die Gremien der akademischen Selbstverwaltung sowie der studentischen Interessenvertretung haben als erste Orte der Assoziierung damit traditionell große Wirkmöglichkeiten. Diese werden aktuell noch durch die zeitliche wie inhaltliche Verengung durch Ba/Ma, die Entdemokratisierung in den Hochschulgesetzen und die prekäre soziale Lage der Studierenden u.a. aufgrund der völlig unzureichenden Ausstattung des BaföGs stark behindert. Um die Potentiale dagegen umfassend zur Entfaltung zu bringen, ist eine Wende dringend Not-wendig.
In der gemeinsamen Verfügung über den Inhalt der Arbeit, die Entwicklung der Gesellschaft und die Verbesserung der Lebensbedingungen, bilden Mensch und Politik eine Einheit. Um dies zu befördern, muss das Studium umgewälzt, das BAföG als eltern- und altersunabhängiger Vollzuschuss zurück erkämpft und die „unternehmerische Hochschule“ sowie ihre Verankerung in den Hochschulgesetzen weiter überwunden werden. Das heißt z.B. den wirtschaftsnahen Hochschulrat abzuschaffen, zu Gunsten der Ermächtigung des dann viertelparitätisch besetzten Hochschulsenates als demokratisch gewähltem Gremium und die (zu schaffenden) Departmenträte – ebenso besetzt - wieder mit allen Kompetenzen auszustatten. Diese Veränderungen sind demokratiefördernd und für alle ermutigend sich an den gemeinsamen Angelegenheiten erweitert kritisch zu beteiligen.

 

„Die bürgerliche Revolution muß sich ins Ökonomische fortentwickeln, die liberale Demokratie zur sozialen werden.“
Thomas Mann, „Meine Zeit“, 1950

Solidarität statt Konkurrenz

Gemeinsam die Welt bewegen

 

„Nun erhöht die Wirtschaft [. . . ]nochmals den Druck auf die SPD, den wirtschaftsfreundlichen Kurs der vergangenen vier Jahre nicht zu verlassen. Nicht wenige Manager und Verbandsvertreter versuchen in diesen Tagen, Wirtschaftssenator Frank Horch oder gleich dem Bürgermeister gute Ratschläge mit aufden Weg zu geben. […] Der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, Hans-Jörg Schmidt-Trenz geht noch weiter: "Wenn die Genehmigung dann durch ist, wollen wir auch sichergestellt sehen, dass die Umsetzung der Fahrrinnenanpassung schnellstmöglich geschieht.“

Martin Kopp, „Hamburgs Wirtschaft macht Druck bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen in der Stadt“, Hamburger Abendblatt, 26.02.2015

„Bildung umfaßt: eine allgemeine Kenntnis des Menschlichen; das Vermögen, sich zurückzuversetzen in die Geschichte und das Werdende mitzufühlen; eine sprachliche Kultur, die sich daraus ergibt, daß die Dinge des Intellektes als Tatsache und als Macht anerkannt werden.“

Heinrich Mann, „Verfall einer geistigen Welt“, 1934

 

Das neoliberale Stadtentwicklungsprogramm „Wachsende Stadt“ ist mit dem historisch niedrigsten Wahlergebnis der CDU erweitert abgewählt und die SPD muss mit den marktdevoten Grünen (Olympia ist neuerdings nachhaltig) eine neue Regierung bilden. Alles unter mißtrauischer Beäugung der Handelskammer.

Standortkonkurrenz und „Schuldenbremse“ im Sinne der Unternehmensprofite sollen trotz zivilisatorischer Krise zwar nur wenig gemindert fortgeführt werden, aber die Proteste aus der Bevölkerung, besonders aus dem Bildungsbereich, haben Wirkung gezeigt.

In diesem Sinne gewinnt die Linke – ähnlich wie Syriza in Griechenland – mit einer klaren Oppositionslinie für Frieden, soziale Gerechtigkeit, die Rekommunalisierung der Krankenhäuser und für eine bedarfsgerechte öffentliche Finanzierung aller Lebensbereiche Stimmen dazu.

Diese Fortschritte haben europaweite Bedeutung auf dem Weg eine befreiende Alternative zur propagierten Alternativlosigkeit von militärischen Eskalationen, Verletzungen von Menschenrechten und Fiskalpaktelend zu verwirklichen.

Dagegen können auch die zur Rettung des autoritären Neoliberalismus angetretenen Spießerparteien wie die AfD wenig ausrichten. Gemeinsam geht es nun auf neuer Stufe darum, für solidarische Verhältnisse zu streiten, in denen kein Mensch mehr ausgebeutet und unterdrückt wird – für die umfassende Realisierung von Freude, Fairness, Wohlfahrt und Menschenwürde. Dafür muss der enorme gesellschaftliche Reichtum wieder und gesteigert für die Entwicklung des Allgemeinwohls eingesetzt werden.

In diesem Sinne nehmen weltweit immer mehr Menschen ihre Geschicke in die eigenen Hände und gehen für Verbesserungen auf die Straße. Nicht die Ansprüche, sondern die Bescheidenheit wird sich weiter abgeschminkt – so können alle ihre emanzipatorischen Potentiale entfalten.

Auch der andauernde Widerstand der Hamburger Hochschulmitglieder gegen die fortgesetzte Kürzungspolitik in Bildung und Kultur ist darauf gerichtet, dass Lehre und Forschung einen sinnvollen Beitrag für eine friedliche, soziale und demokratische Entwicklung der Gesellschaft leisten. Durch Demonstrationen, Veranstaltungen und kooperative Diskussionen in Gremien wie dem Studierendenparlament sowie in der Gesamthochschule wird deutlich, dass alle Menschen durch Wissenschaft die Gesellschaft für alle produktiv und erfreulich gestalten können. Die systematische Befreiung des Studiums von Notenkonkurrenz, Fremdbestimmung und Unternehmensinteressen steht dafür ebenso auf der Tagesordnung. Damit in Einheit sind demokratisch selbstverwaltete Souveränität, die soziale Öffnung des Hochschulzugangs, Friedenswissenschaft und die Verbesserung der sozialen Lage aller Studierenden, z.B. durch ein Bafög für alle, zu schaffen. Dies ermöglicht Bedingungen für nachhaltige und menschenwürdige Verhältnisse.

Daran wollen wir gemeinsam weiterarbeiten und diskutieren.

„Die Freude ist schwatzhaft.“

Gotthold E. Lessing, „Der junge Gelehrte“, 1751

 

Modern ist nicht zeitgemäß –

Zusammen für ein solidarisches Hamburg

Clusterinitiativen, in denen Wirtschaft, Wissenschaft und öffentliche Hand zusammenarbeiten, geben dem Standort Hamburg ein klares Kompetenzprofil, das über Hamburg hinaus strahlt und mobiles Kapital, Kompetenzen, Unternehmen, Fachkräfte und Talente anzieht. […] Der Senat wird die Clusterpolitik fortführen […] Mit Blick auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel strebt der Senat an, insbesondere in denjenigen Fachrichtungen Studienplätze bereitzustellen, in denen auch langfristig gute Berufsaussichten bestehen. [...] Damit soll in Hamburg in der Zukunft immer mindestens so viel ausgebildet werden, wie der Arbeitsmarkt in derMetropolregion braucht.“

Koalitionsvertrag SPD/Grüne, „Zusammen schaffen wir das moderne Hamburg“, 08.04.2015

 

Der unbeirrbare Stumpfsinn, mit dem die Kapitalisten ihre törichte Geldpolitik fortsetzen, immer weiter, immer weiter, bis zur Ausblutung ihrerWerke und ihrer Kunden, ist bewundernswert. Alles, was sie seit zwanzig Jahren treiben, ist von zwei fixen und absurden Ideen beherrscht: Druck aufdie Arbeiter und Export.“

Kurt Tucholsky, „Die Herren Wirtschaftsführer“, 1931

 

Die Wirtschaft werde mit dem Koalitionsvertrag im Großen und Ganzen zunächst gut leben können, erklärte Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz.“

NDR, „Grüne stellen drei von elf Senatoren in Hamburg“, 08.04.2015

 

Nach sieben Wochen haben SPD und Grüne sich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Neben kleinen Verbesserungen (z.B. Kitas) – welche durch den Druck außerparlamentarischer Bewegungen und parlamentarischer Opposition von links integriert werden mussten – wollen Senat und Handelskammer die „törichte Geldpolitik“ der letzten Senate fortsetzen: Waffenexporte, „Schuldenbremse“, Abschiebungen von Flüchtlingen, Olympiabewerbung, Elbvertiefung und Immobilienspekulation sollen bleiben. Die Hamburger Großunternehmerschaft kann damit „ zunächst gut leben“. Das heißt die meisten Menschen können es nicht.

Stattdessen fordert die Mehrheit der Bevölkerung die Fortsetzung bereits begonnener und notwendiger Verbesserungen und immer mehr werden dafür wirksam: friedliche Entwicklung, die Bekämpfung der Armut und der sozialen Ungleichheit, Bleiberecht, Bildung und Kultur für alle, die Rekommunalisierung der Krankenhäuser, Umweltschutz und sozialer Wohnungsbau.

Darin haben die Hochschulen etwas mehr Geld erkämpft, was weiterhin nicht reicht und erweitert werden muss – fürWissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung, für die Vielfalt, Kooperation und Interdisziplinarität der Fächer, gute Arbeitsbedingungen sowie für ein reichhaltiges emanzipatorisches Studieren. Dagegen will der Senat auch im Hochschulbereich die heftig kritisierte standort- und profitorientierte „Clusterpolitik fortführen“ und die Hochschulen mit fortgesetzter Unterfinanzierung und Reinregieren auf die verengten Wirtschaftscluster festlegen. Statt Studienplätze anhand des gesellschaftlichen Bedarfes auszubauen, sollen sie nur dort bestehen, wo „der Arbeitsmarkt in derMetropolregion“ dem zukünftigen Humankapital „langfristig gute Berufsaussichten“ vorgauckelt. Das riecht nach dem Versuch vulgärer Unternehmensherrschaft über die wissenschaftliche und bildungspolitische Entwicklung – nicht nur die Hochschulmitglieder rümpfen ihre Nasen.

Anderes ist schon lange entwickelt: Die Verwirklichung der gemeinsamen Vorhaben, wie z.B. der angestoßenen Studienreform für mehr Weltbezug, Entrestriktionierung, Entschleunigung, Master als Regelabschluss und das Abschaffen von Zwangsexmatrikulationen steht an. Dafür brauchen die Hochschulen mehr Ressourcen und weniger Gängelung und die Stadt höhere Vermögens- und Unternehmenssteuern sowie mehr Souveränität gegenüber der Handelskammer.

Gehen wir es an.

Studium und Wissenschaft entfalten oder
die gemeinsamen Ansprüche abschminken?
Für einen frischen Wind in Hamburg

 

„Sie [die Vertragsstaaten] stimmen überein, dass die Bildung auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und des Bewusstseins ihrer Würde gerichtet sein und die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten stärken muss. [...]
Die Vertragsstaaten erkennen das Recht eines jeden an, am kulturellen Leben teilzunehmen und an den Errungenschaften des wissenschaftlichen Fortschritts und seiner Anwendung teilzuhaben. [...] Die Vertragsstaaten verpflichten sich, die zu wissenschaftlicher Forschung und schöpferischer Tätigkeit unerlässliche Freiheit zu achten.“
Sozialpakt der Vereinten Nationen, 1968, bis heute gülltig und unterzeichnet von 162 Staaten, darunter die BRD

 

Hochschulen als Orte des gesellschaftlichen Rich­tungs­streits können Stätten der Aufklärung und der sozialen Emanzipation sein – für das Schaffen von Frieden, Demokratie, sozialen Verbes­serun­gen und die Ermöglichung der "vollen Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit".
Dabei kann jede Wis­­sen­schaft in ihrer Spezifik einen fortschrittlich-produktiven Beitrag zur Lösung der welt­weiten "human­itären Krise" (Alexis Tsipras, Syriza) leisten, statt sich weiter an Unter­nehmens­wünschen bis hin zur Rüstungs­forschung zu orien­tieren und da­durch die Zi­vil­isationskrise zu ver­schärfen.
Dieser reichhaltigen Per­spek­­tive an kulturell leben­digen und schöpfer­ischen Möglich­keiten von Studium und Wis­sen­schaft steht zur Zeit u.a. noch das Bachelor­­Master-System entgegen. Durch Prüfungs­hetze und Regelstudienzeitdruck sollte das Studium auf die Verwertungserfordernisse des Arbeits­marktes zuge­richtet und gesellschaftskritisches Denken beengt werden. Dies gelang wegen des Widerstandes vieler Hochschulmitglieder nur teilweise.
Die bereits begonnene Alternative zu dieser langweilig einseitigen "Berufsorientierung" besteht darin als Gleiche und interessengeleitet – also mit gemeinsam erarbeiteten Inhalten – produktiv zu lernen. Mündige Persönlich­keits­entwicklung, die Bearbeitung zentraler gesell­schaftlicher Fragestellungen und ein kritischer Bezug zur Praxis wenden sich darin auch gegen die Profitinteressen der Hamburger Unternehmen und ihrer verbittert grinsenden Vertretung: der Handelskammer.
In ihrem Sinne werden aktuell die Reichtümer der über 42.000 Millionäre und 18 Milliardäre seitens des unternehmensdevoten SPD-Senates (bald zusammen mit den nicht viel weniger devoten Grünen) durch höhere Steuern unangetastet gelassen.
Stattdessen werden unter dem Dogma der sog. "Schuldenbremse" die öffentlichen Bereiche weiter kaputt gekürzt. So soll die HAW Hamburg jedes Jahr 4 Millionen Euro "einsparen" statt für die Verwirklichung der An­sprüche und Verän­der­ung­s­ambitionen ihrer Mit­­­glieder bedarfs­gerecht fin­­an­ziert zu werden. Das ist Irrsinn und muss sofort beendet werden.
Gegen Kürzungspolitik und Bachelor/­Master sind letztes Se­mester über 4.000 Men­schen auf die Straße gegan­gen, um u.a. für "Eman­zipatorische Bildung statt Erzieh­ung zu Konformität" und "Kooperatives Lernen statt Pauken unter Konkurrenzdruck" (LandesAsten­Konferenz­ Hamburg) zu demonstrieren.
An diese Ansprüche, Forderungen und Vorhaben wollen wir in diesem Semester gemeinsam anknüpfen und Publikationen, Veranstaltungen und weitere Pro­teste gestalten, um für einen frischen Wind in Hamburg und an der HAW einzugreifen.
Es muss nichts bleiben wie es ist.